EU schafft Zollfreigrenze ab 2026 ab

Was die Änderung für den europäischen E-Commerce bedeutet

Die Europäische Union bereitet einen tiefgreifenden Wandel im Onlinehandel vor. Die bislang geltende Zollfreigrenze für Warenimporte unter 150 Euro soll wegfallen – und zwar deutlich früher als ursprünglich geplant. Bereits 2026 möchte der EU-Rat eine Übergangslösung einführen, die eine Verzollung auch unterhalb dieser Wertgrenze ermöglicht. Für viele europäische Händler ist das ein lange erwartetes Signal der Entlastung.


Warum die bisherige 150-Euro-Zollgrenze Probleme geschaffen hat

In den vergangenen Jahren ist der Zustrom günstiger Produkte aus Drittstaaten – allen voran aus China – rasant gestiegen. Plattformen wie Temu, Shein oder Aliexpress überschwemmen den europäischen Markt mit sehr preisgünstigen Artikeln, die dank der Zollfreigrenze ohne zusätzliche Importabgaben eingeführt werden konnten.

Mehr als 90 Prozent aller Kleinsendungen unter 150 Euro kommen laut EU-Kommission aus China. Ein weiteres Problem: Ein erheblicher Teil dieser Sendungen wird künstlich unterbewertet, um die Freigrenze nicht zu überschreiten. Schätzungen zufolge betrifft dies rund zwei Drittel der importierten Pakete. Das führt nicht nur zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber europäischen Anbietern, sondern auch zu erheblichen Einnahmeverlusten für die Mitgliedstaaten.

Darüber hinaus sehen Experten ökologische Nachteile. Die Regelung begünstigt das Aufteilen großer Bestellungen in mehrere Kleinsendungen – ein Vorgehen, das mehr Verpackungsmüll erzeugt und zusätzliche Transportemissionen verursacht.


Forderungen aus der Branche: Abschaffung ja – aber praktikabel

Die Entscheidung der EU-Finanzminister wird in der europäischen Handelslandschaft grundsätzlich begrüßt. Sie soll faire Wettbewerbsbedingungen herstellen und verhindern, dass Anbieter aus Drittstaaten systematisch von der großzügigen Freigrenze profitieren.

Allerdings warnt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) davor, dass die vorhandene Zollinfrastruktur bereits heute an ihre Belastungsgrenzen stößt. Die Kontrollen der Masse an Kleinsendungen sind für Behörden kaum zu bewältigen. Mit der Abschaffung der Freigrenze kommt zusätzlicher Verwaltungsaufwand auf sie zu.

Nach Einschätzung des Verbandes müssen deshalb dringend folgende Voraussetzungen geschaffen werden:

  • weitreichende Digitalisierung der Zollprozesse,
  • bessere personelle und technische Ausstattung der Behörden,
  • harmonisierte Systeme und Standards im EU-Binnenmarkt.

Nur dann könne die Reform die gewünschte Wirkung entfalten und eine faire Marktumgebung sichern.


Wie geht es weiter? Einführung früher als geplant

Ursprünglich sollte die neue Regelung erst greifen, wenn der sogenannte EU-Daten-Hub – eine digitale Drehscheibe zur besseren Zusammenarbeit der Zollbehörden – vollständig betriebsbereit ist. Das wird jedoch frühestens 2028 der Fall sein.

Da die Wettbewerbsverzerrungen und Umweltfolgen aber dringenden Handlungsbedarf erfordern, haben sich die EU-Mitgliedstaaten darauf verständigt, bereits 2026 ein vereinfachtes Übergangsverfahren einzuführen. Dadurch sollen auch Sendungen unter 150 Euro mit Zöllen belegt werden können, bis die digitale Infrastruktur vollständig steht.


Was bedeutet das für Händler und Verbraucher?

Für europäische Händler

Die Reform dürfte eine längst überfällige Entlastung bringen. Sie verhindert, dass ausländische Plattformen systematisch billiger anbieten können, weil sie Zoll- und teilweise Mehrwertsteuerregeln umgehen.

Für Verbraucher

Es ist damit zu rechnen, dass günstige Bestellungen aus Drittstaaten etwas teurer werden. Gleichzeitig könnten Lieferzeiten steigen, da die Zollbehörden künftig mehr Pakete prüfen müssen.

Für die EU insgesamt

Langfristig soll die Maßnahme faire Wettbewerbsbedingungen, höhere Steuereinnahmen und mehr Nachhaltigkeit im Versandhandel gewährleisten.


Fazit

Mit der geplanten Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze setzt die EU ein deutliches Zeichen für mehr Fairness und Nachhaltigkeit im internationalen Onlinehandel. Während europäische Händler auf dringend benötigte Entlastung hoffen können, stehen Zollbehörden und Logistikstrukturen vor erheblichen Herausforderungen. Klar ist jedoch: Die bisherige Regelung hat Wettbewerbsverzerrungen begünstigt und ökologische Fehlanreize geschaffen, die langfristig nicht tragbar sind. Die Übergangslösung ab 2026 sowie der spätere EU-Daten-Hub sollen dafür sorgen, dass Europa bei der Kontrolle von Drittstaatenimporten moderner, effizienter und einheitlicher wird. Für Verbraucher könnten sich Preisstrukturen verändern – für den europäischen Binnenmarkt jedoch eröffnet die Reform die Chance auf ein ausgewogeneres und nachhaltigeres Handelsumfeld.


Quelle

Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Artikel, der im E-Commerce-Magazin erschienen ist.


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