KI im Handel: Händler sind weiter als gedacht

Strategischer KI-Einsatz im deutschen Einzelhandel: Fortschritt jenseits öffentlicher Skepsis

Die Diskussion rund um künstliche Intelligenz im Handel ist in Deutschland oft geprägt von Skepsis, regulatorischen Befürchtungen und der Annahme, Unternehmen seien zögerlich beim Einsatz neuer Technologien. Eine aktuelle Untersuchung von monday.com zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild: Der deutsche Einzelhandel hat KI längst aus der experimentellen Phase herausgeführt und setzt sie in vielen Bereichen strategisch ein – pragmatischer und breiter, als es die öffentliche Debatte vermuten lässt.


Pragmatischer Einsatz statt Zukunftsgerede

Mehr als zwei Fünftel der befragten deutschen Händler nutzen KI bereits in mehreren Unternehmensbereichen. Besonders in Abteilungen, die traditionell auf Effizienzgewinne angewiesen sind – IT, Marketing und Vertrieb – hat die Technologie ihren festen Platz im Tagesgeschäft. Dort helfen KI-Modelle bei Automatisierungen, bei der Datenanalyse oder bei der personalisierten Kundenansprache. Was in Frankreich noch stärker theoretisch diskutiert wird, ist hierzulande vielerorts bereits Standardwerkzeug.

Bemerkenswert ist außerdem der strategische Reifegrad: Ein signifikanter Anteil der Händler verfügt bereits über formelle KI-Strategien, was zeigt, dass das Thema nicht nur operativ, sondern auch auf Managementebene verankert ist.


Herausforderungen liegen in der Infrastruktur – nicht im Mindset

Ein verbreitetes Klischee sieht deutsche Unternehmen als technologiefern oder zu vorsichtig im Umgang mit KI. Die Studie widerlegt diese Annahme. Die Hindernisse liegen weniger in kulturellen Barrieren, sondern in strukturellen Fragen: Viele Händler kämpfen mit unzureichendem technischem Know-how oder mit fragmentierten Datenlandschaften, die eine Skalierung erschweren. Frankreich ist bei den technischen Grundlagen teils besser aufgestellt, doch in der praktischen Anwendung ist Deutschland weiter.

Für Andi Wienold, Regional Vice President DACH bei monday.com, beginnt nun eine entscheidende Phase: Während 2024 vielerorts zum Testen genutzt wurde, geht es 2025 darum, KI orchestriert in die Breite zu bringen. Erfolgreich werden jene Händler sein, die ihre Daten sinnvoll verknüpfen, klare Prozesse schaffen und ihre Teams befähigen, KI aktiv in die Arbeitsabläufe einzubinden.


KI als Wettbewerbshebel – nicht als Zukunftsversprechen

Die Einschätzung der deutschen Händler ist eindeutig: KI wird als Werkzeug zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit verstanden. Eine Mehrheit sieht darin die Chance, den Abstand zu globalen Plattformen zu verringern – ein Thema, das seit Jahren auf den strategischen Agenden steht. Gleichzeitig rückt ein Aspekt in den Fokus, der in der öffentlichen Debatte kaum Beachtung findet: Viele Retailer erwarten positive Auswirkungen auf Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit. KI wird also nicht nur als Effizienztreiber, sondern auch als Instrument zur Verbesserung der Arbeitskultur gesehen.


Conversational Commerce: Deutschland bleibt zurückhaltend

Deutliche Unterschiede zwischen den Ländern zeigen sich beim Thema Conversational Commerce – dem Einkauf über Chat- oder Sprachschnittstellen. Während Händler in Frankreich diesen Kanal mit großer Begeisterung testen und hohe Potenziale sehen, überwiegt in Deutschland die Skepsis. Der Großteil der deutschen Retailer plant aktuell keine kurzfristige Einführung. Dies könnte darauf hindeuten, dass Deutschland den Fokus stärker auf unmittelbar wirksame KI-Anwendungen legt, während Frankreich stärker experimentiert und in Zukunftsszenarien investiert.


Eine neue Entscheidergeneration verändert die Prioritäten

Auffällig ist die Altersverteilung der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer: Viele der befragten Führungskräfte sind zwischen 25 und 44 Jahre alt – eine Generation, die digitale Technologien oft selbstverständlich einsetzt und weniger ideologisch über KI diskutiert. Dieser Wechsel in der Entscheiderlandschaft könnte eine zentrale Rolle dabei spielen, wie schnell Unternehmen KI-Verfahren künftig adaptieren und operationalisieren.


Fazit: Die Umsetzung wird zum entscheidenden Faktor

Die Ergebnisse zeigen klar: Der Wettbewerbsvorteil im Handel entsteht nicht durch theoretische Visionen, sondern durch konsequente Implementierung. Händler, denen es gelingt, KI bis 2026 fest in Datenflüsse, Prozesse und den täglichen Betrieb zu integrieren, werden neue Branchenstandards setzen. Deutschland hat dafür eine robuste Ausgangslage – doch der nächste Entwicklungsschritt hängt davon ab, wie zügig bestehende interne Blockaden abgebaut werden.


Quelle und weitere Informationen

Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Artikel, der im E-Commerce-Magazin erschienen ist. 


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